|
Lernen durch Erleben
|
|
|
Wiesinger Hermann am 21.2.2012 |
Lernen bedeutet mechanisches Reproduzieren vorselektierter Information, hmm…? Vielleicht. Gar nicht spannend. Lernen bedeutet auf alle Fälle Bewegtheit durch Bewegung. Schon etwas spannender. Lernen bedeutet allemal Erkenntnis, Einsicht und Verhaltensänderung durch Erleben. Sehr spannend!
Berufsbildende Schulen sollten Menschen nicht zum Selbstzweck ausbilden, sondern Handlungskompetenz vermitteln und somit fit machen für das Berufsleben. Ein wesentlicher Beitrag der Schule zum Erreichen dieser Handlungskom-petenz stellt neben der Vermittlung von Sach- und Methodenkompetenz die kontinuierliche Unterstützung der Entwicklung von Selbst- und Sozial-kompetenz dar. Dabei spielt sowohl die Gestaltung des Schullebens insgesamt als auch die des Unterrichts im Besonderen eine wesentliche Rolle.
Altbekannt - nichts Neues - mechanisch reproduziert und somit auch nicht sehr spannend. Spannend ist allerdings eine weitere kreative Idee zur methodischen Um-setzung, um Selbst- und Soziale Kompetenz zu entwickeln. Mit Beginn dieses Schuljahrs haben die Schülerinnen und Schüler der Schule für Sozialbe-treuungsberufe begonnen, sich gegenseitig abzuseilen. Auf einer Höhe von 13 Metern (gefühlte 23!!!) steigen die Schülerinnen und Schüler über das Stahlgeländer der Fluchtstiege und lassen sich von ihrer Seilpartnerin/ ihrem Seilpart-ner sicher in die Tiefe bringen. In 13 Metern Höhe auf die andere Seite der Sicherheit zu wechseln, bedeutet für die einen, eine Grenze zu überschreiten, die von der Komfortzone in die Lernzone führt, für die anderen das Erkennen des – zumindest jetzt noch – Unüber-windbaren. Beides hat seine Berechtigung und seinen Wert. Auch Nein sagen zu können, will gelernt sein. Neben dem Kennenlernen, Neu-Definieren und Akzeptieren der eigenen Grenzen lernen die Schülerinnen und Schüler auch, die Grenzen der anderen zu akzeptieren. Wir funktionieren nicht alle gleich. Weder in der Schule, noch in den späteren Arbeitsteams.
Natürlich stellt sich für die Schülerinnen und Schüler auch die Frage nach Sicherheit, Vertrauen und Unterstützung. Was kann passieren? Wer passt auf mich auf? Wer motiviert mich, ohne dabei Gruppendruck zu erzeu-gen? Was ist mein Beitrag zum Gelingen? Unweigerlich münden diese Fragen beim Partner am Ende des Seils, der die Gesundheit und das Le-ben seines Seilpartners in seinen Händen hält. Sympathie oder Antipathie für meinen Seilpartner haben für das Gelingen der Übung keine Relevanz mehr. Was zählt, ist der Respekt vor der Verantwortung dem Menschen gegenüber. Eine Verantwortung, die die Schülerinnen und Schüler auch in ihren Praktika erleben. Respekt für meine Mitarbeiterinnen und Mitar-beiter sowie Respekt vor den Bedürfnissen älterer Menschen. Es sollte nicht an uns liegen, die Grenzen älterer Menschen und Menschen mit Behinderung mit ihren individuellen Bedürfnissen festzulegen. Aber es liegt an uns, Sicherheit, Vertrauen und Unterstützung als „Seil“ anzubieten und keine Abhängigkeit.
Natürlich sind die Reflexionsaspekte zu dieser Übung bei weitem nicht erschöpft und aus diesem Grund ist auch die Nachhaltigkeit dieses „Lernens“ noch nicht abzusehen.
Und damit… bleibt es spannend!
docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:Sg7ECcmcKXYJ:www.altenhei... |
|
Permalink
|
|
Tags:
Loggen Sie sich ein, um diesen Blog-Eintrag zu kommentieren und Kommentare zu lesen (Kommentare nur für ExpertInnen zugänglich).
|
|