Blog einer Förderklassen-Lehrerin

Die Autorin dieses Blogs ist Lehrerin in einer Förderklasse. Zur Wahrung der Anonymität (v.a. der Schüler/innen) sind alle Namen geändert. Die in diesem Blog beschriebenen Vorkommnisse entsprechen jedoch der Realität!


Des einen Leid, des anderen Freud ...

Bernhard Ursula am 21.6.2013
Fr 21 Jun

"Wie soll ich das die nächsten 40 Jahre aushalten?", fragte mich heute eine liebe Kollegin, die ihr zweites Dienstjahr hinter sich hat.
Sie ist eine von denen, die zur Zeit täglich 11 Stunden in der Schule ist und dann noch immer das Gefühl hat, dass sie eigentlich länger bleiben müsste, weil es noch so viel zu tun gibt. Würde sie der Schulwart nicht "hinausschmeissen", wäre sie vermutlich auch noch spätabends in der Schule anzutreffen.
Vormittags macht sie einen gut vorbereiteten Unterricht, sofort nach der Schule hat sie einige KDL-Gespräche mit den Eltern und Kindern, danach muss sie jede Menge Papierkram erledigen und schließlich bringt sie die Klasse in Ordnung und kontrolliert die Schul-und Hausübungen.  Wenn sie die Schule um 18.30 verlässt, hat sie noch nichts gegessen und keine einzige Pause gemacht und das ist ihr bis dahin nicht einmal aufgefallen.
Zuhause bereitet sie den nächsten Schultag vor.
Eigentlich arbeitet sie mit einer Begleitlehrerin zusammen. Von der sieht sie aber nur am Vormittag etwas und dann geht diese gleichzeitig mit den Schülern nachhause. Ein paar Mal hat meine Kollegin  versucht, sie auf dieses Ungleichgewicht anzusprechen. Dann reagierte ihre Begleitlehrerin jedes Mal mit einer Ausrede, die sie mit freundlichem Gesicht präsentierte. Zur Direktion petzen gehen will meine Kollegin nicht, daher strudelt sie sich weiterhin alleine ab.
Dies ist nur eine von vielen ähnlichen Geschichten unter Lehrerkollegen.
Gerade am Schulanfang und gegen Schulschluss werden diese Missstände besonders deutlich. Während die einen kurz vor dem Ausbrennen sind und nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht, liegen die anderen gemütlich in der Sonne und bekommen dafür das gleiche Gehalt. Diese unkollegialen Lehrer sind genau diejenigen, die für das miese Lehrerbild in der Gesellschaft verantwortlich sind. Leider gibt es jede Menge solcher fauler Exemplare und leider kommen sie damit jahre-bis jahrzehntelang durch. Die wenigen, denen von Seiten der Direktion oder des Kollegiums doch irgendwann Druck gemacht wird, verabschieden sich dann - zwecks Gewissensberuhigung - ins Burnout.


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