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Mi 19 Jun

Die Hitze, die ich persönlich sehr gerne habe, wird nicht von allen Menschen gut vertragen.
Auch unsere Schüler scheinen darunter zu leiden, denn obwohl sie heute einerseits sehr träge waren, so benahmen sie sich andererseits äußerst streitlustig und "geladen".
Unsere Hauptaufgabe bestand daher heute nur darin, die erhitzten Gemüter unserer Schüler zu besänftigen und schwitzende, kämpfende Körper "auseinanderzusortieren".
Ich muss zugeben, dass ich unter diesen Umständen auch nicht mehr fähig war, der Hitze etwas Positives abzugewinnen. Ich wollte nur noch nachhause in die abgedunkelte Wohnung.
Dort bin ich jetzt und genieße es! Gerade steigt auch wieder mein Bedürfnis, mich der sommerlichen Wärme hinzugeben und deswegen ins Bad zu gehen.
Das Kindergeschrei dort ist zum Glück keines, um das ich mich kümmern muss!
 


Fr 22 Mär

Der Großteil der Kinder, mit denen wir arbeiten, wird sehr schnell sehr aggressiv.
Aber eben nicht alle. Manche sind extrem rastlos und dadurch im großen Klassenverband kaum integrierbar oder so distanzlos, dass sie schnell anecken.

Was sich für mich aber immer mehr herauskristallisiert:
Genau diejenigen, die grauenhaft schimpfen und auf andere losgehen, sind die Supersensiblen.
Nachdem sie gerade noch "F*** deine Mutter " geschrien und andere körperlich attackiert haben, lechzen sie innerlich danach, in den Arm genommen zu werden und zu kuscheln.
Sie sind genau die, denen es nicht zu uncool ist, wie ein Kleinkind am Schoß zu sitzen und sich bemuttern zu lassen. Sie lieben das und sie brauchen es. Im Vergleich dazu gibt es Kinder, die in ähnlich schwierigen Verhältnissen leben und damit besser zurechtzukommen scheinen.
Diese zeigen kein aggressives Verhalten und können sich den Gegebenheiten besser anpassen. Sie zählen viel weniger oft zu denen, die den Körperkontakt suchen oder die danach gieren, verbal bestätigt zu bekommen, dass sie gemocht werden. 
Die Intensität der Gefühle scheint also in beide Richtungen (positiv und negativ) je nach individueller Stärke gleich weit auszuschlagen.
Ein wesentlicher Vorteil an der Arbeit mit der Kleingruppe ist, dass man so nah an den Kindern dran ist und deswegen auch die andere Seite kennenlernt. Nur dadurch ist es dann möglich, das Positive zu verstärken und damit die Aggressionen zu vermindern.


Mi 20 Mär

Wie jedes Jahr haben wir heute eine Polizeistation besucht.
Diesen Lehrausgang lieben die Kinder und auch ich bin immer gerne dabei.
Bis jetzt war jeder Polizist, der diese Führung übernommen hat, auffallend nett und bemüht.
Je mehr die Kinder probieren und mitmachen dürfen, desto interessanter ist es natürlich.

Heute bekamen die Schüler einen wirklich tollen Einblick - angefangen von der Büroarbeit bis hin zur Verhaftung mit Handschellen. Vieles wurde nachgespielt und da wir so wenige sind, kam auch jeder oft dran.
Am Ende des Tages gab es von jedem Kind ein "Foto hinter Gittern" und außerdem bekamen die Kinder die Möglichkeit, sich in der Gummizelle so richtig auszutoben.
Abgesehen davon, dass dieser Lehrausgang sehr informativ und abwechslungsreich ist, finde ich es toll, dass er nichts kostet. Ein tolles Angebot also.

Eine Gummizelle wäre übrigens nicht nur in Polizeistationen sinnvoll.
Mit einer etwas liebevolleren Bezeichnung würde eine solche Räumlichkeit in manchen Schulen sehr hilfreich sein. Bei tobenden Kindern hat man ja vor allem Angst, dass sie sich selbst und andere in Gefahr bringen. In diesem Raum könnten sie mit vollem Körpereinsatz herumtollen - entweder um angestaute Wut loszuwerden oder einfach nur so zum Spaß. Der angenehme Effekt, dass man in kurzer Zeit seinen gesamten Körper "ausgetestet", gespürt und beansprucht hat, würde insofern nachwirken, dass man danach ein ausgeglicheneres Körpergefühl hat. Und davon haben ja viele Kinder heute zu wenig.


Fr 15 Feb Seit Jahren führe ich Gespräche mit Eltern, deren Kinder als besonders schwierig gelten. Dabei taucht für mich immer wieder folgende Frage auf: " Warum lässt man die Kinder bei manchen Themen nicht einfach in Ruhe?" Typische Beispiele dafür wären Streitereien zwischen Eltern und Kind, weil das Kind keine Hausschuhe anziehen will immer wieder Chaos in seiner Schultasche hat seine Mahlzeiten nicht aufisst oder nichts kosten will abends im Bett liegt und ständig nach der Mama ruft, obwohl es doch längst schlafen sollte ... Zu diesen Beispielen habe ich folgendes zu sagen: das Kind findet Hausschuhe unangenehm und soll einfach barfuß oder in Socken gehen. das Kind schafft es noch nicht, Ordnung zu halten, deswegen muss ihm  dabei mehr geholfen werden. das Kind weiß genau, wann es satt ist und es soll ihm diese wunderbare Fähigkeit bitte nicht abgewöhnt werden. Wenn ein Erwachsener nicht kosten will, lässt man ihm doch auch seinen Willen. das Kind ist nicht müde und wird zu früh ins Bett gelegt oder das Kind braucht noch ein Abendritual (vorlesen, kuscheln,...), um gut einschlafen zu können. Kritische Erzieher sehen in meinen Ansichten natürlich die Gefahr, dass dem Kind sein Wille gelassen und es somit verwöhnt wird. Tatsächlich ist es aber so, dass Kinder sich ernst genommen fühlen wollen. Lässt man sie also Verantwortung übernehmen, zum Beispiel über das eigene Sättigungs-, Müdigkeits- oder Körpergefühl- wird es auch eher lernen, Verantwortung bei anderen Dingen, wie der Ordnung in der Schultasche, zu übernehmen. (wobei es natürlich Chaoten gibt, die das nie lernen). Kein Kind möchte miese Stimmung in der Familie haben, aber viele Kinder wehren sich unbewusst gegen die ständigen Bevormundungen, indem sie auch dort keine Verantwortung übernehmen, wo sie von ihnen plötzlich doch verlangt wird. Das heißt also: Rebellieren Kinder, so muss der Erwachsene sein Verhalten zum Kind ändern. ...

Mi 12 Sep Wir konnten heute, was Ralph betrifft, wieder aufatmen.
Er hat sich sehr bemüht, folgsam zu sein und war auch besonders wissbegierig. Außerdem war er extrem anlehnungsbedürftig und hat sich immer wieder zaghaft an mich angelehnt.

Ich finde es bei diesen schwierigen Kindern immer wieder faszinierend, wie sehr sie Körperkontakt suchen und genießen.
Wenn man ihnen dann so begegnet, als wären es die eigenen Kinder, tut man ihnen, glaub ich, sehr viel Gutes. Sie in den Arm zu nehmen und kurz zu drücken kann Wunder bewirken. Sie kommmen ja eh alle viel zu kurz, was entspannende zwischenmenschliche Beziehungen betrifft.
Und ich habe dadurch noch nie das Gefühl gehabt, dass der Respekt verloren geht. ( wie viele befürchten)

Pino war heute leider besonders deprimiert und ich werde nie verstehen, warum er nicht zu seinen Eltern darf. Manchmal entscheidet das Jugendamt nicht wirklich im Sinne des Kindes.

Und Gabi hat heute das erste Mal in diesem Schuljahr einen Wutanfall gehabt. Später sagte sie: Es tut mir leid, aber ich weiß auch nicht, was da mit mir passiert. Aber mein ganzes Leben hat sowieso keinen Sinn! Tragisch, so etwas von einem 10 jährigen Kind zu hören. Besonders tragisch deswegen, weil ihr Leben wirklich sehr traurig ist. Daher schreiben wir mit ihr in einem kleinen Heft alle positiven Sachen auf, die sie erlebt. Damit sie lernt, den Blick darauf zu richten.

Aja- und übrigens: Wir haben heute im Zuge unseres intensiven Lerntages völlig darauf vergessen, dass Ralph seine Medikamente nehmen soll!
Und siehe da: Er war bis zum Schluss friedlich und entspannt! Vieleicht zeigt das ja doch, dass das Gefühl des vollkommen angenommen seins stärker ist als Ritalin! Wie schön!


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